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Interview: Derufin Denthor Heller über Erben der Ewigkeit

    Erben der Ewigkeit Trilogie – Atmosphäre & Faszination

    Erben der Ewigkeit: Es gibt Interviews, die berühren einen auf einer Ebene, die weit über die reine Begeisterung für ein Genre hinausgeht. Dieses Gespräch mit Derufin Denthor Heller gehört für mich genau dazu. Seine Antworten haben mich nicht nur beeindruckt, sondern in vielerlei Hinsicht auch tief bewegt. Immer wieder entdecke ich Parallelen zu meinen eigenen Gedanken als Redakteur dieses Magazins.

    So wie er die klassische Schauerliteratur als zeitlose, gesellschaftskritische Kraft versteht, sehe ich die gesamte Fantastik – von Mythen bis zur modernen Fantasy – als universelle „Datenbank der Gesellschaft“. Eine lebendige DNA, aus der wir Orientierung, Mut, Hoffnung und Kraft schöpfen können. Dass wir mit diesen Überzeugungen nicht allein stehen, empfinde ich als ebenso kraftvoll wie tröstlich.

    Mit diesen Gedanken lade ich euch ein in ein Gespräch, das zeigt, wie sehr Fantastik und Schauerliteratur bis heute unser Verständnis von Mensch und Gesellschaft prägen.


    Welt und Ursprung der Geschichte

    Alex: Thomas, du hast ja schon verraten, dass deine Geschichte im Mittelalter spielt und von einer düsteren Grundstimmung geprägt ist. Wenn ich jetzt an die Kulisse denke – eher nebelverhangene Moore, ein dichter nordischer Tannenwald, vielleicht ein urzeitlicher Urwald oder doch windumtoste Burgruinen – wie würdest du mir in zwei, drei Sätzen die Welt vorstellen, ohne die Handlung zu verraten? Welche Atmosphäre prägt diesen Ort am stärksten?

    Derufin Denthor Heller: Die gesamte Story der „Erben der Ewigkeit“ spielt im abgegrenzten Gebiet einer Wald- und Wiesenlandschaft, die gerade in den ersten beiden Bänden der Trilogie im Vordergrund steht. Die Szenerie erinnert mich selbst immer an eine idyllische Landschaft mit moosbewachsenen Findlingen, verwunschenen Bächen und kleinen Wäldchen, über der jedoch eine bedrückende, melancholische Stimmung liegt. Verfallene Ruinen, unterirdische Gewölbe und der Natur entsprungene Kavernen dürfen natürlich ebenso wenig fehlen, wie die aus Stein gehauene Stadt, die im dritten und letzten Band der Trilogie die Geschichte prägt.

    Alex: Was hat dich dazu inspiriert, genau diese Welt zu erschaffen? Gab es bestimmte Bilder, Erlebnisse oder literarische Vorbilder, die deine Vorstellung geprägt haben?

    Derufin Denthor Heller: Der Ursprung meiner Geschichte war ein einfaches Bild in meinem Kopf. Eine Erzählung, die ich in meiner Jugend in einem Buch mit Sagen und Legenden gelesen hatte: Eine Waldnymphe, die einen Mann in ihren Bann zieht. Aus diesem einfachen Bild hat sich die gesamte Story entwickelt und nach und nach in all ihren Aspekten entfaltet. Schon beim Schreiben der ersten Zeilen habe ich schnell gemerkt, dass hinter diesem Bild viel mehr steckt, als ich selbst erwartet hatte.


    Moral und literarische Einflüsse in Erben der Ewigkeit

    Alex: Du hast erzählt, dass das Thema „Moral“ am Anfang deiner Autorenkarriere gar nicht auf dem Plan stand. Ab wann hast du gemerkt, dass Moral in deinen Geschichten doch eine tragende Rolle spielt?

    Derufin Denthor Heller: Die ersten Kapitel des ersten Bandes habe ich sehr zügig geschrieben, auch wenn ich diese später mehrfach überarbeitet habe. Die Moral an der Geschichte hat mich von Anfang an beschäftigt, aber erst als ich meinen Antagonisten und dessen Beweggründe eingeführt habe, ist mir richtig bewusst geworden, dass die Fragen der Moral nicht nur nebensächliches Beiwerk meiner Geschichte, sondern zur tragenden Säule der Story geworden sind. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber dies liegt auch schon darin begründet, dass es die „Erben der Ewigkeit“ dem Leser nicht so einfach machen, zwischen Protagonist und Antagonist zu unterscheiden.

    Alex: Gab es für dich konkrete Inspirationsquellen für diesen moralischen Aspekt – etwa bestimmte Autoren, Mythen, historische Ereignisse oder philosophische Strömungen?

    Derufin Denthor Heller: Wie viele Autoren haben mich Mythen, Sagen und Legenden schon immer fasziniert, doch zunächst, wie gesagt, gab es nicht viel. Ich hatte ursprünglich das Ziel vor Augen, einen einfachen Fantasy-Roman zu schreiben. Erst beim Schreiben selbst bin ich auf diverse moralische Aspekte gestoßen und dies hat dazu geführt, dass ich mich näher mit diesen Thematiken befasst habe.

    Ich habe auch erst dann damit begonnen, mich für die Schauerliteratur zu interessieren. In diesen älteren Werken ist Moral nicht nur ein wichtiger Bestandteil, sondern die Essenz der Erzählung – und auch das ist mir erst während meines Schreibprozesses richtig bewusst geworden.


    Moral und Weltbau – eure Gedanken? Erben der Ewigkeit

    Nach den ersten beiden Abschnitten wird deutlich, wie vielschichtig Derufin Denthor Heller seine „Erben der Ewigkeit“-Trilogie anlegt. Zunächst entfaltet er ein Setting, das in seiner Naturverbundenheit fast märchenhaft wirkt: moosbewachsene Findlinge, verwunschene Bäche, eine melancholische Stimmung zwischen Wald und Ruinen. Doch diese Idylle trügt. Denn schon in den ersten Kapiteln schleicht sich die Frage nach Moral und Verantwortung ein – nicht als bloße Randnotiz, sondern als zentrales Spannungsfeld der gesamten Handlung.

    Besonders faszinierend finde ich, dass sich dieses moralische Fundament nicht aus einer vorgefertigten Botschaft speist, sondern sich während des Schreibprozesses organisch entwickelt hat. Das macht die Trilogie lebendig und unvorhersehbar. Es ist, als würde die Geschichte selbst den Autor zwingen, sich tiefer mit der Natur von Gut und Böse auseinanderzusetzen.

    Und jetzt interessiert mich eure Perspektive: Wie nehmt ihr den Aufbau der „Erben der Ewigkeit“-Trilogie wahr? Findet ihr die Art und Weise, wie Derufin Denthor Heller Moral, Mythen und Schaueratmosphäre verwebt, ebenso faszinierend wie ich? Teilt gern eure Eindrücke – mich begeistert besonders, wie konsequent er klassische Stoffe in ein modernes Low-Fantasy-Gewand kleidet.


    Verbindung von Fantasy und Schauerliteratur

    Alex: Was fasziniert dich am klassischen Schauerroman so sehr, dass du ihn in deiner Trilogie aufgreifst und mit moderner Low-Fantasy verbindest?

    Derufin Denthor Heller: Das ist eine wirklich gute Frage, die ich nur sehr schwer beantworten kann. Vielleicht ist es tatsächlich die inhaltliche Tiefe. Die Schauerliteratur erzählt nicht nur eine einfache Geschichte. Es ist mehr, viel mehr, das man zwischen den Zeilen lesen kann. Die Schauerliteratur unterliegt keinem aktuellen Trend. Sie ist zeitlos schön und genau wie zu ihrer Blütezeit passt sie sehr gut in unser heutiges Leben.

    Alex: Im großen Finale – wenn sich in Rakshore das groteske Ränkespiel um die Ewigkeit zuspitzt – wie hast du das Zusammenspiel von Fantasy und Horror für dich ausbalanciert?

    Derufin Denthor Heller: Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob ich das habe. Horror ist so vielfältig und jeder Leser hat eine andere Vorstellung davon. Die genaue Schilderung des Ablaufs eines Gewitters kann genauso gruselig sein wie ein Schlachtfeld mit vielen Toten. Vielleicht ist der subtile Horror sogar der Schlimmere.

    Natürlich verfolgt meine Trilogie den Ansatz der Spannung, aber die gruseligen Momente haben sich von ganz alleine ergeben. Immer wenn die Geschichte danach verlangte, habe ich sie hinzugefügt. Manchmal wartet man als Leser schon darauf, doch oftmals kommt es anders als man zunächst denkt und das blanke Entsetzen erlebt man dann, wenn man am wenigsten damit rechnet.


    Schreiben, Motivation und Figuren – Erben der Ewigkeit

    Alex: Wie sieht dein typischer Schreibtag aus? Hast du feste Rituale oder besondere Orte, die dir beim Schreiben wichtig sind?

    Derufin Denthor Heller: Tatsächlich hat mein Schreiballtag sehr viel von dem, wie man sich das als Leser gerne vorstellt. Einsame Zeit im stillen Kämmerchen, ein guter Kaffee kann gute Dienste leisten und wenn es gut läuft, dann entsteht langsam ein Roman, Wort für Wort, Zeile für Zeile. Ich bin eher ein langsamer Schreiber und ich habe auch die Angewohnheit, gleich vieles im Text zu überarbeiten. Es mag Autoren geben, die ihre Bücher in wenigen Tagen schreiben. Ich gehöre definitiv nicht dazu.

    Alex: Was hat dich ursprünglich zum Schreiben gebracht – und was motiviert dich heute, weiter an der Trilogie zu arbeiten?

    Derufin Denthor Heller: Na ja, die Trilogie ist ja nun erst einmal abgeschlossen. Sie ist aber so angelegt, dass eine Fortsetzung möglich ist. Die Geschichte der Erben der Ewigkeit ist noch lange nicht auserzählt. Es ist für mich manchmal wirklich schwierig in den Schreib-Flow zu kommen, aber die Geschichte spukt beständig in meinem Kopf. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie zu Papier gebracht wird. Für viele Autoren ist ehrliches Feedback von Lesern ein Motivationsantrieb und ich bin dabei keine Ausnahme.

    Bleibt noch die Antwort auf die Frage, was mich zum Schreiben gebracht hat. Die Antwort ist recht einfach: das Lesen. Mit Büchern ist man alleine, alleine mit seinen Geschichten und Gedanken. Man entwickelt schon früh ein Gefühl für Sprache und Erzählstrukturen. Ein Autor ist gerne mit sich und seinen Gedanken alleine. Es sind diese ständigen Gedanken, die mich zum Schreiben gebracht haben und mich motivieren, immer weiter am Ball zu bleiben.

    Alex: Deine Figuren sind weder klar „gut“ noch „böse“. Wie gehst du vor, wenn du solche vielschichtigen Charaktere entwickelst?

    Derufin Denthor Heller: Das ist vielleicht gar nicht so schwierig, wie es auf den ersten Blick scheint. Wir alle handeln kontextbezogen und die Begriffe „gut“ und „böse“ lassen sich manchmal gar nicht so einfach voneinander trennen. Wie so oft im Leben gibt es viele Grauschattierungen dazwischen. Die Figuren in meiner Trilogie sind zudem meist keine Menschen. Menschliche Wertmaßstäbe können daher gar nicht angesetzt werden. Ist vollständig moralisches Handeln überhaupt möglich? Ist die Natur moralisch? Und wie würde man den Tod innerhalb dieser Begrifflichkeiten einordnen?

    Alex: Was sollen die Leser nach dem letzten Band der Trilogie aus deiner Sicht mitnehmen – ein bestimmtes Gefühl, eine Frage, eine Erkenntnis?

    Derufin Denthor Heller: Hoffentlich eine schöne Zeit, die sie beim Lesen hatten. Eine Erkenntnis sollte jedoch nicht fehlen: Die Wahrheit ist manchmal unbequem. Und, es gibt immer einen noch größeren Fisch!


    Fazit: Zeitlose Tiefe und unbequeme Wahrheiten

    Das Gespräch mit Derufin Denthor Heller macht deutlich, was seine Trilogie so besonders macht: eine von Mythen und Schauerliteratur inspirierte Welt, die nicht auf einfache Gut-und-Böse-Muster setzt, sondern die Grauzonen menschlichen Handelns auslotet. Moral ist hier keine Randnotiz, sondern die tragende Säule der Handlung.

    Er verbindet die zeitlose Tiefe des klassischen Schauerromans mit moderner Low-Fantasy und lässt subtilen Horror wie von selbst entstehen. Seine Figuren bleiben vielschichtig, seine Welt atmosphärisch dicht – und am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Wahrheit oft unbequem ist und immer ein „noch größerer Fisch“ existiert. Eine Trilogie, die nicht nur unterhält, sondern lange nachklingt und zum Nachdenken über die Natur von Moral und Wahrheit anregt.

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