Der Schöpfer der HID.ZONE – Ein multimedialer Urban-Fantasy-Geschichtenerzähler
Urban Fantasy bedeutet, verborgene Welten mitten in unserer Realität zu entdecken – Welten, die geheimnisvoll, modern und voller Möglichkeiten sind. Genau hier setzt die HID.ZONE von Kejtan an. Sein Projekt verbindet klassische Literatur mit Musik, Bildern und digitalen Erweiterungen. Über QR-Codes lassen sich im Buch erwähnte Musikstücke direkt anhören, Dialoge sind im Stil einer Chat-App gestaltet, Emojis und visuelle Elemente schaffen zusätzliche Ausdruckskraft. HID.ZONE ist damit mehr als ein Buch – es ist ein multimediales Fantasy-Erlebnis.
Im folgenden Gespräch gibt Kejtan Einblicke in seine künstlerische Arbeit, seinen Weg zur HID.ZONE und seine Vision von Urban Fantasy im 21. Jahrhundert. Er erzählt von seinen Anfängen mit der Violine, von seiner Liebe zu Geschichten und davon, wie er die Lockdown-Zeit nutzte, um ein kreatives Universum zu schaffen.

Steige ein – das vollständige Interview mit Kejtan
Alex: Was war dein ursprünglicher Antrieb, kreativ tätig zu werden? War Kreativität schon immer Teil deines Lebens oder gab es ein Schlüsselerlebnis?
Kejtan: „Kreativität ist, seit ich denken kann, fester Bestandteil meines Lebens, der mir immer Sinn verliehen hat. Ein einschneidendes Erlebnis war, als ich mit sechs Jahren begonnen habe, Violine zu spielen – das hat mich auf den Pfad des kreativen Musikschaffens geführt. In der Schule habe ich mit dem Schreiben angefangen, positives Feedback von Lehrern bekommen und privat zu schreiben begonnen. Glücklicherweise hat mich meine Familie immer unterstützt, wodurch ich meine Kreativität ungehindert ausleben konnte.
Für mich war es von klein auf faszinierend, Welten zu erschaffen, die es angeblich nicht gibt. Das Schreiben von Büchern steht nicht im Vordergrund, es ist nur die mir zugänglichste Methode, um Geschichten zu erzählen. Wenn ich die Möglichkeit hätte, Filme zu machen, würde ich vermutlich auch dieses Medium mit meinen Geschichten füllen.“
Alex: Deine Werke vereinen Text, Musik, Grafik und digitale Elemente. Wie kam es zu dieser multimedialen Herangehensweise?
Kejtan: „Grundsätzlich versuche ich immer, bei allem, was ich tue, eigene Wege zu finden. Mir war von vornherein klar, dass, wenn ich ein Buch schreibe, es meinen ganz eigenen Stil bekommt. Ich habe versucht, mich so wenig wie möglich von anderen Werken beeinflussen zu lassen, um eine authentische Erfahrung zu schaffen. Der multimediale Ansatz rührt daher, dass ich immer schon Musik gemacht habe und mich später auch grafisch weiterentwickelt habe. Ich habe mich den Ratschlägen verweigert, mich auf eine Sache zu konzentrieren, und einen Weg gesucht, mein gesamtes kreatives Schaffen zu bündeln. Ich bin ein technikaffiner Mensch, und die digitale Revolution hat es möglich gemacht, verschiedenste kreative Formen miteinander zu verknüpfen.“
Alex: Erstellst du die visuellen und musikalischen Inhalte deiner Bücher selbst oder arbeitest du mit einem Team zusammen?
Kejtan: „Zurzeit erschaffe ich den Großteil meiner kreativen Arbeit selbst. Dabei verbringe ich sehr viel Zeit damit, das Universum, in dem die HID.ZONE stattfindet, zu konstruieren und die Schicksale der Figuren miteinander zu verknüpfen. Diese Charaktere bekommen ihre eigene kreative Ader von mir verliehen und drücken sich individuell aus. Auf diesem Weg erschaffe ich Kanäle, um meine persönlichen kreativen Interessen – Musik, Literatur, bildnerisch und grafisch – zu entfalten und rund auszudrücken. Auch wenn ich im Augenblick den Großteil dieser Kunst allein schaffe, träume ich davon, eines Tages andere Künstler in die Gestaltung der HID.ZONE einzubeziehen.“

Alex: Wo siehst du deine größten Stärken in der kreativen Arbeit – und wo begegnen dir persönliche Herausforderungen?
Kejtan: „Meine größte Stärke sehe ich im musikalischen Bereich, denn die Musik ist der rote Faden, der sich bislang durch mein Leben zieht. Es fällt mir oft schwer, die detailreichen Geschichten, die in meiner Fantasie stattfinden, in Worte zu fassen. Ich habe schon immer sehr viel geschrieben, aber ich würde mich eher als einen Schmied der Geschichten als einen Schmied des geschriebenen Wortes bezeichnen. Die visuelle Gestaltung kam als jüngste kreative Ausdrucksform hinzu, um meine Fantasie noch besser transportieren zu können.
Wenn ich an eine Blockade stoße, ist das meistens ein Zeichen, dass ich unzufrieden mit der Entwicklung einer Geschichte bin. Dann gehe ich oft einen Schritt zurück und denke mich in die Figuren erneut hinein, um herauszufinden, wie diese ihre Abenteuer bestreiten.“
Alex: Was bedeutet dir das Genre Fantasy – und warum hast du dich speziell für Urban Fantasy entschieden?
Kejtan: „Der Reiz der Urban Fantasy besteht für mich darin, dass es eine verborgene Welt in der Fantasie gibt, die tatsächlich Realität sein könnte. Es gibt es so viele mysteriöse Dinge auf der Welt, die kein Mensch versteht. Diese Dinge blenden wir aus, um nicht den Verstand zu verlieren, das bedeutet jedoch nicht, dass es sie nicht gibt. Was, wenn Gedanken die Realität formen, in der wir leben? Meine Affinität zu Technik und fortgeschrittenen Technologien bildet die Grundlage für eine urbane und technisch fortgeschrittene Umgebung, in der die HID.ZONE stattfindet.
Meine Inspiration kommt hauptsächlich von Filmen in futuristischen und teilweise dystopischen Settings. Ich habe bei meinem kreativen Schreibprozess immer ein sehr starkes visuelles Auge – das Geschriebene verwandelt sich in meinem Kopf in einen Film.“
Alex: In deinen Büchern tauchen auch gesellschaftskritische Themen auf. Welche Rolle spielt Beobachtung für dich in deiner Arbeit?
Kejtan: „Obwohl ich immer mittendrin war, habe ich mich selbst auch stets als außenstehender Beobachter der Gesellschaft gefühlt. Bei meiner Beobachtung habe ich festgestellt, dass ich mich nicht automatisch an gesellschaftliche Gepflogenheiten ohne weiteres anpassen kann. Ich mache oft erst einen Schritt zurück, während andere bereits loslaufen. Aus dieser Außenperspektive werden mir manchmal Dinge bewusst, die ich persönlich für wichtig erachte. Die Art und Weise, wie wir mit der Erde umgehen, aber auch wie wir innerhalb der Gesellschaft miteinander umgehen, erscheint mir manchmal übereilt.
Dabei versuche ich nicht von oben herab zu verurteilen, sondern einfach nur die unangenehmen Emotionen auszudrücken, die sich dabei in mir aufstauen. Ich glaube, dass gerade in einer Zeit, in der soziale Medien immer bedeutsamer werden, ein traditionsreiches Medium wie das Buch für Jugendliche eine erfrischende Wirkung haben kann. In einer schnelllebigen Gesellschaft sich Zeit zu nehmen und sich einfach einmal auf eine Parkbank zu setzen und eine Stunde zu lesen, kann eine magische Erfahrung sein.“
Alex: 2019 wurdest du vom Schultz & Schirm Verlag für ein Theaterprojekt ausgewählt und solltest bei einer Aristophanes-Veranstaltung auftreten. Wie hast du diese Zeit erlebt – und welche Rolle spielte die Pandemie bei der Entstehung der HID.ZONE?
Kejtan: „Ich wurde vom Schultz & Schirm Verlag kontaktiert, nachdem ich im Salzburger Landestheater den zweiten Platz bei einem Komödientheater-Schreibwettbewerb durch Publikumsvoting belegt habe. Ich wurde vom Verlag beauftragt, eine weitere Komödie zu verfassen, welche mit großer Begeisterung entgegengenommen wurde, und daraufhin einen bevorzugten Platz bei der Aristophanes-Improvisationsveranstaltung erhalten habe.
Die Veranstaltung wurde aufgrund der Corona-Maßnahmen im März 2020 kurzfristig abgesagt. Für mich wie auch für den Verlag war die Enttäuschung groß. Jedoch habe ich im Februar 2020 intensiv am ersten Buch der HID.ZONE zu arbeiten begonnen und die Zeit des Lockdowns genutzt, um mein erstes Werk EPTE zu schaffen.“
Alex: Welche persönliche Bedeutung hat das Schreiben für dich – über Storytelling und Veröffentlichung hinaus?
Kejtan: „Das Schreiben einer Geschichte ist für mich ein ganz besonderer Prozess, der nicht immer möglich ist und sehr viel Zeit und Energie in Anspruch nimmt. Mit ‚nicht immer möglich‘ meine ich, dass ich in eine Art Flow gelangen muss, ein Zustand, den ich nicht erzwingen kann. Wenn er da ist, bietet er mir eine ganz besondere spirituelle Erfahrung, bei der ich in eine Welt abtauche und Teil von etwas werde, jenseits unserer wahrgenommenen Realität.
Dies ist mit Sicherheit auch eine Flucht vor meinen persönlichen als auch gesellschaftlichen Schwierigkeiten. Wenn ich es schaffe, in diesen Flow zu kommen, verliere ich meistens die Kontrolle als Autor über diese neue Welt und die vermeintlich selbst erschaffenen Figuren erwachen zum Leben und erzählen ihre eigene Geschichte.“
Alex: Deine Bücher wirken wie digitale Erlebniswelten. Wo siehst du die HID.ZONE langfristig – und was ist dein Ziel als Autor?
Kejtan: „Die HID.ZONE ist definitiv ein Pionierprojekt, um bestehende Strukturen herauszufordern und das etablierte und langbeständige Medium Buch in ein modernes Zeitalter zu denken. Dabei nutze ich bewusst ein Format, das sich vom traditionellen Buch abhebt und den Text für Leser, die sich von dicken Textwänden ermüdet fühlen – so wie ich –, empfänglicher macht. Die Dialogform in Interaktion mit digitalen Medien bildet eine progressive Form des Lesens.
Die HID.ZONE hat vor vielen Jahren als kleiner Gedanke begonnen und ist im Laufe der Zeit zu einem Universum gewachsen, in dem viele Ideen aus den unterschiedlichsten Richtungen gedeihen. Durch das erarbeitete Framework der HID.ZONE und der Idee, dass eine parallele Elfengesellschaft im Schatten der menschlichen Zivilisation lebt, habe ich zahlreiche Ideen zu weiteren Medien wie Computerspiele, Kartenspiele und Online-Projekte. Ideen, die bislang Träume sind, von denen ich mir wünsche, dass sie eines Tages wahr werden.“
Alex: Was möchtest du jungen Menschen mit deinen Geschichten mitgeben? Wenn du deinen Stil in einem Satz beschreiben müsstest – welcher wäre das?
Kejtan: „Ich persönlich habe keine Botschaft, die ich jemandem mitgeben will. Vielmehr hoffe ich, dass aus meinen geschriebenen Worten eine individuelle Botschaft entsteht, die für jede Person, die diese Worte liest, einen weiteren Stein in der Straße ihres Lebens bedeutet. Meine Geschichten behandeln sehr viele unterschiedliche und komplexe Themen, was sie nicht tun, ist belehren oder irgendeine vorgefertigte Meinung zu transportieren. Ich mache mir sehr viele Gedanken zu diesen Themen, aber versuche, sie wertfrei zu behandeln und einen Grundstock für all jene zu legen, die offen sind, sich ihre eigenen Gedanken zu machen. Und das ist mein Stil in einem Satz: Macht euch eure eigenen Gedanken.“

Conclusão zur HID.Zone
Das Gespräch mit Kejtan zeigt, wie viel Leidenschaft und kreative Energie in der HID.ZONE steckt. Sein Ansatz, Urban Fantasy nicht nur zu erzählen, sondern über Musik, Bilder und digitale Medien erlebbar zu machen, hebt sein Projekt deutlich von klassischen Formaten ab. Zwischen künstlerischem Flow, visueller Gestaltung und literarischem Anspruch entsteht ein Universum, das die Grenzen des Gewohnten sprengt.
Auch wenn HID.ZONE noch am Anfang steht, wird klar: Hier entwickelt sich eine Welt, die Leser auf mehreren Ebenen anspricht – ein Projekt, das Urban Fantasy modern interpretiert und neue Impulse setzt. Wer eintaucht, wird mehr als nur eine Geschichte finden: eine Erfahrung, die Literatur mit Klang, Bild und Fantasie verbindet.
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