Artigo Wicked – Große Botschaften, schwaches Fundament por TonyDawn: a imagem da capa serve como uma imagem de símbolo, não é um material de imagem original e foi gerada por meio de IA.
Wicked erschien 2024 in den Kinos und markiert den ersten Teil der zweiteiligen Verfilmung des gleichnamigen Broadway-Musicals. Unter der Regie von Jon M. Chu und mit Ariana Grande als Glinda sowie Cynthia Erivo als Elphaba wagt der Film den Versuch, die bekannte Welt von Oz neu zu erzählen – diesmal aus der Perspektive der sogenannten „bösen Hexe“. Doch Vorsicht: Wer hier lediglich eine klassische Musical-Adaption oder ein vertrautes Fantasy-Märchen erwartet, wird schnell feststellen, dass Wicked einen anderen Anspruch verfolgt.
Der erste Film konzentriert sich auf die Vorgeschichte Elphabas: ihre Zeit an der Universität von Shiz, ihre Außenseiterrolle aufgrund ihrer grünen Haut und die Entwicklung ihrer komplizierten Freundschaft zu Glinda. Gleichzeitig wird der Grundstein für die spätere politische und gesellschaftliche Ordnung von Oz gelegt – inklusive der Rolle des Zauberers und der zunehmenden Ausgrenzung bestimmter Gruppen. All dies mündet jedoch nicht in eine abgeschlossene Erzählung, sondern fungiert bewusst als Vorbereitung auf den zweiten Teil.
Diese Analyse bezieht sich ausschließlich auf den ersten Film. Im Fokus stehen dabei Substanz und Logik der Erzählung, der Weltaufbau, die Figurenzeichnung sowie die Frage, welche Botschaft Wicked vermitteln möchte – und ob diese innerhalb der Geschichte tatsächlich trägt.
Ein Film, der Moral und Werte vermitteln möchte, sich dabei jedoch zunehmend selbst verliert.

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Wicked – Neuinterpretation oder Ignoranz bestehender Werke?
Es wird schnell deutlich, dass Wicked den Anspruch verfolgt, eine Neuinterpretation der Geschichte der sogenannten Bösen Hexe zu erzählen. Die Perspektive soll verschoben, bekannte Rollen hinterfragt und moralische Zuschreibungen neu bewertet werden. Doch stellt sich dabei eine zentrale Frage: Ist es gerechtfertigt, für diese Neuinterpretation ganze Charaktere, Beziehungen und zentrale Handlungsstränge vollständig umzuschreiben – ohne sie schlüssig neu zu erklären?
Der Film positioniert sich zeitlich klar vor den Ereignissen von Dorothy und soll damit als direkte Vorgeschichte zur bekannten Oz-Erzählung funktionieren. Gleichzeitig vermittelt er jedoch durch seine Inszenierung und Figurenzeichnung den Eindruck, Teil derselben Kontinuität zu sein. Genau hier beginnt das Problem: Wenn sich Wicked in die bestehende Welt einreihen möchte, warum verändert der Film dann grundlegende narrative Strukturen, ohne diese Veränderungen logisch oder erzählerisch zu rechtfertigen?
Ein besonders auffälliges Beispiel ist die Figurenkonstellation rund um Glinda und Elphaba. In den klassischen Oz-Verfilmungen existieren klare Zuordnungen:
- Glinda ist im Originalfilm Der Zauberer von Oz (1939) die Gute Hexe des Nordens.
- O Böse Hexe des Westens ist dort die zentrale Antagonistin.
- O Böse Hexe des Ostens stirbt bereits zu Beginn der Geschichte und bleibt namenlos.
Erst der Film Die fantastische Welt von Oz (Oz the Great and Powerful, 2013) erweitert diesen Kanon und führt konkrete Namen ein:
- Glinda, gespielt von Michelle Williams,
- Theodora, die spätere Böse Hexe des Westens (Mila Kunis),
- Evanora, die Böse Hexe des Ostens (Rachel Weisz).
In dieser Version sind die drei Schwestern, die gemeinsam über Oz herrschen, bevor Verrat, Machtgier und Verlust sie entzweien. Theodoras Verwandlung zur Bösen Hexe des Westens erfolgt dort nicht zufällig, sondern ist das Resultat emotionaler Zurückweisung, gezielter Manipulation und eines magischen Tranks, der ihre Haut grün färbt – ein Symbol für gebrochenes Vertrauen und verdrehte Liebe.
Wicked hingegen löst sich von dieser Struktur, ohne dies klar zu kommunizieren. Elphaba trägt zwar faktisch die Rolle der Bösen Hexe des Westens, erhält jedoch einen völlig neuen Hintergrund, einen anderen Namen und eine andere Herkunft. Glinda ist keine Schwester mehr, sondern eine Kommilitonin. Die familiäre Verbindung, die in früheren Werken ein zentrales emotionales Fundament bildete, entfällt vollständig. Dennoch vermittelt der Film durch seine Darstellung, dass es sich um dieselben Figuren handeln soll, nur eben „neu interpretiert“.
Hier stellt sich unweigerlich die Frage:
Sind Glinda und Elphaba dieselben Personen wie in den bekannten Oz-Filmen?
Oder handelt es sich um alternative Versionen, Nachfahren oder eine parallele Realität?
Der Film liefert darauf keine klare Antwort. Stattdessen entsteht ein erzählerisches Vakuum, in dem bekannte Rollen zwar übernommen, ihre Bedeutungen jedoch entkernt werden.
Besonders problematisch ist dabei Elphabas Darstellung. In früheren Versionen ist ihre Verwandlung eine emotionale Tragödie – ausgelöst durch Verlust, Zurückweisung und gezielte Manipulation. In Wicked hingegen ist sie bereits seit ihrer Geburt grün, was diesen symbolischen Kern vollständig entleert. Die Farbe verliert ihre Bedeutung als Ergebnis innerer und äußerer Konflikte und wird zu einem bloßen äußerlichen Merkmal. Damit entfällt ein zentraler Entwicklungspunkt, der die Figur ursprünglich so vielschichtig machte.
Auch die Entscheidung, den Zauberer von Oz klar als eigentlichen Antagonisten zu positionieren, wirft Fragen auf. Zwar ist diese Interpretation nicht neu, doch in einem Film, der explizit aus der Perspektive Elphabas erzählt werden will, verschiebt sich der Fokus zunehmend von ihrer inneren Entwicklung hin zu einer vereinfachten Gut-gegen-Böse-Struktur. Die Geschichte der „bösen“ Hexe wird dadurch nicht vertieft, sondern relativiert – bis sie letztlich ihre narrative Eigenständigkeit verliert.
So bleibt Wicked in diesem Punkt zwischen zwei Ansprüchen stecken:
dem Wunsch, eine neue, moralisch reflektierte Perspektive zu erzählen, und dem gleichzeitigen Festhalten an bekannten Rollenbildern, die jedoch ihrer ursprünglichen Logik beraubt werden.

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Wicked – Eine Welt ohne Struktur
Dass Wicked neue Elemente in die Welt von Oz einführt, ist grundsätzlich kein Problem. Eine Neuinterpretation darf erweitern und verändern. Entscheidend ist jedoch, dass diese Neuerungen logisch erklärt und sauber in die bestehende Welt eingebettet werden. Genau daran scheitert der Film.
Ein zentrales Beispiel ist die Universität von Shiz. Diese Schule wurde erst durch Wicked eingeführt, wird im Film jedoch behandelt, als wäre sie schon immer ein fester Bestandteil von Oz gewesen. Weder ihre geografische Lage noch ihre politische oder gesellschaftliche Bedeutung werden erklärt. Eine neue Institution dieser Größenordnung hätte eine neue Struktur oder zumindest eine klare Einordnung in die Welt erfordert.
Hinzu kommt, dass unklar bleibt, was an Shiz überhaupt unterrichtet wird. Der Film zeigt Fragmente: eine Kantine, Geschichtsunterricht, Stabkampf – ohne erkennbare Funktion. Magie scheint kein reguläres Studienfach zu sein, denn nur Elphaba darf ihre Fähigkeiten entwickeln. Damit stellt sich zwangsläufig die Frage, welchen Zweck diese Universität erfüllt und wofür all die anderen Studierenden dort eigentlich ausgebildet werden.
Die strukturellen Lücken setzen sich mit dem Auftreten eines Prinzen fort. Seine Herkunft bleibt vollkommen offen. Aus welchem Reich stammt er? Welche Bedeutung hat dieses Reich innerhalb von Oz? Wer sind seine Eltern? Der Film gibt keine Antworten. Stattdessen bleibt der Prinz eine reine Handlungshilfe ohne jede weltliche Verankerung.
Besonders irritierend ist seine beiläufige Aussage, er sei bereits von mehreren Schulen geflogen. Damit deutet der Film ein größeres Bildungssystem an, verweigert jedoch jede weitere Ausarbeitung. Wo sind diese Schulen? Wie ist Oz gesellschaftlich organisiert? Auch hier bleibt alles vage.
So entsteht der Eindruck einer Welt, die nur dort existiert, wo sie gerade gebraucht wird. Orte und Institutionen tauchen auf, ohne dass sie Teil eines nachvollziehbaren Systems sind. Wicked erschafft keine strukturierte Welt, sondern eine Kulisse – und genau das schwächt die gesamte Erzählung erheblich.
Wicked – Eine Geschichte ohne innere Logik
Ein zentraler Handlungsstrang des Films ist die Geschichte rund um die sprechenden Tiere. Sie nimmt überraschend viel Raum ein und soll offensichtlich auf Themen wie Ausgrenzung, Unterdrückung und Tierwohl hinweisen. Der Einstieg wirkt zunächst vielversprechend: Eine mysteriöse Krankheit sorgt dafür, dass die Tiere nach und nach ihre Sprache verlieren. Professoren verschwinden, Tiere werden entrechtet, eingesperrt oder zum Schweigen gebracht. Ein düsteres, potenziell starkes Motiv – doch genau hier beginnt das Problem.
Denn diese Geschichte wird nie konsequent zu Ende gedacht. Wir erfahren nicht, woher diese Krankheit stammt, wie sie ausgelöst wurde oder weshalb sie sich ausbreitet. Stattdessen wird relativ schnell klar gemacht, dass der Zauberer von Oz für das Verschwinden und Einkerkern der Tiere verantwortlich ist. Seine Begründung bleibt dabei erschreckend banal: weil es in seiner Welt auch so war.
Doch genau diese Erklärung wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet. Wenn Wicked Teil der bekannten Oz-Welt sein soll, dann steht diese Motivation im direkten Widerspruch zu früheren Darstellungen des Zauberers. In klassischen Oz-Adaptionen ist er kein erklärter Feind der Tiere – im Gegenteil. Er lebt mit ihnen, arbeitet mit ihnen und schließt sogar Freundschaften, etwa mit den geflügelten Affen. Warum also sollte er ausgerechnet in dieser Welt ein System der Unterdrückung erschaffen, ohne dass der Film diesen Bruch erklärt?
Selbst wenn man den Bezug zu den alten Filmen bewusst ausklammert, bleibt die innere Logik problematisch. Warum sollte der Zauberer in einer Welt, in der sprechende Tiere seit jeher Teil einer funktionierenden, friedlichen Gesellschaft sind, gezielt einen Feind erschaffen? Seine Argumentation lautet sinngemäß: Für Einigkeit braucht es einen gemeinsamen Gegner. Doch diese Logik greift nur in Zeiten von Konflikt, Chaos oder Instabilität.
Die Welt von Oz, wie sie im Film gezeigt wird, befindet sich jedoch nicht in einem solchen Zustand. Sie ist geordnet, weitgehend friedlich und gesellschaftlich etabliert. Es gibt keine Krise, die diese radikale Maßnahme rechtfertigen würde. Wozu also Einigkeit erzwingen, wenn keine Uneinigkeit herrscht? Der Film liefert darauf keine überzeugende Antwort.
Besonders frustrierend ist, dass Wicked gegen Ende die Möglichkeit gehabt hätte, diesen Punkt zu vertiefen oder zumindest nachvollziehbar zu erklären. Stattdessen bleibt es bei ausweichenden Aussagen. Man solle vertrauen, es sei besser so. Weil es dort, wo der Zauberer herkommt, ebenfalls so gewesen sei. Weil eine Gesellschaft angeblich immer einen Feind brauche.
Diese wiederholte Rechtfertigung ersetzt jedoch keine logische Motivation. Sie wirkt nicht wie eine bewusste moralische Grauzone, sondern wie ein erzählerischer Lückenfüller. Die Geschichte um die Tiere hätte das emotionale und thematische Herz des Films werden können – stattdessen bleibt sie ein stark angerissener, aber inhaltlich leerer Konflikt, der weder logisch noch erzählerisch trägt.

Wicked – Charaktere als Klischees
Der Film besitzt genau eine Figur mit erkennbarem Inhalt. Sie hinterfragt Situationen, nimmt die Welt nicht einfach als gegeben hin und zeigt Intelligenz sowie einen eigenen Willen. Doch genau darin liegt das Problem: Sie bleibt damit vollkommen allein. Alle anderen Figuren wirken um sie herum wie leere Hüllen, ohne Eigenständigkeit oder echtes Denkvermögen.
Reaktionen finden kaum statt, außer es wird gesungen und getanzt. Wenn die Figuren außerhalb dieser Momente handeln, dann meist nur kollektiv, nie individuell. Eigene Gedanken, innere Konflikte oder nachvollziehbare Entscheidungen fehlen fast vollständig. Die Charaktere existieren nicht als Menschen, sondern als Funktionen der Szene.
Auch der Zauberer von Oz erhält zwar eine neue Gewichtung, bleibt jedoch letztlich nichts weiter als ein klassischer Bösewicht ohne Tiefe. Er denkt, ja – aber seine Motivation bleibt oberflächlich und eindimensional. Der Prinz gehört ebenfalls zu den wenigen Figuren, die zumindest Ansätze von Selbstreflexion zeigen. Doch selbst er kann die inhaltliche Leere der übrigen Charaktere nicht ausgleichen und bleibt wirkungslos – ebenso wie Elphaba, die gegen diese Oberflächlichkeit allein nicht ankommt.
Besonders enttäuschend ist die Darstellung von Glinda. Eine Figur, die traditionell für Güte, Moral und Ausgleich steht, wird hier auf Oberflächlichkeit, Selbstsucht und das im Film selbst mehrfach betonte Klischee des „Blondseins“ reduziert. Abgesehen von ihrer Akzeptanz gegenüber Elphaba durchläuft sie keine erkennbare persönliche Entwicklung. Ihre Rolle bleibt statisch und inhaltlich leer.
Gerade deshalb wirkt die dargestellte Welt von Oz so befremdlich. Ein Reich, das eigentlich für Freundlichkeit, Akzeptanz und Zusammenhalt bekannt ist, besteht in diesem Film fast ausschließlich aus Mitläufern, Fassade und Berechnung. Die Dialoge verstärken diesen Eindruck zusätzlich: Es kommt weniger darauf an, was gesagt wird, sondern wie es gesagt wird. Hinter höflichen Worten verbirgt sich Leere, Unehrlichkeit und fehlende Substanz.
So entsteht keine lebendige Gemeinschaft, sondern eine Ansammlung von Klischees und eine Hauptfigur, die in dieser Welt isoliert bleibt.

Fazit: Ein Film ohne erzählerische Substanz
Wicked – Teil 1 scheitert nicht an seinen Ambitionen, sondern an deren Umsetzung. Der Film möchte viel: moralische Werte vermitteln, Ausgrenzung thematisieren, bekannte Rollen hinterfragen und eine neue Perspektive auf die Welt von Oz eröffnen. Doch all diese Ansätze stehen auf einem instabilen erzählerischen Fundament.
Die Geschichte leidet unter fehlender innerer Logik, einem bruchstückhaften Weltaufbau und Figuren, die größtenteils als Klischees existieren. Neue Elemente wie die Universität von Shiz oder der politische Umgang mit den Tieren werden eingeführt, ohne strukturell erklärt oder sinnvoll in die Welt eingebettet zu werden. Statt einer lebendigen Fantasywelt entsteht eine Kulisse, die nur so weit reicht, wie es die jeweilige Szene erfordert.
Besonders schwer wiegt, dass der Film seine Botschaft zunehmend über die Geschichte stellt. Moralische Aussagen werden nicht durch Handlung, Entwicklung oder Konsequenzen getragen, sondern direkt transportiert. Dadurch verliert Wicked genau das, was eine starke Erzählung ausmacht: Glaubwürdigkeit, Tiefe und emotionale Wirkung.
So bleibt am Ende ein Film, der gut aussehen und viel sagen will, dem es jedoch an Substanz, Struktur und erzählerischer Klarheit fehlt. Wicked – Teil 1 ist weniger eine durchdachte Neuinterpretation der Welt von Oz als vielmehr ein Beispiel dafür, wie große Botschaften ohne ein tragfähiges erzählerisches Gerüst ins Leere laufen.
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