Wie ich auf den Fall aufmerksam wurde
Selfpublishing Recht: Ich wurde auf dieses Thema aufmerksam, als ich auf Instagram einen Post der Autorin Summer Collins des Werkes „Unsterblich Ich“ entdeckte. In ihrem Beitrag schilderte sie ein Problem, das auf den ersten Blick außergewöhnlich wirkte: Obwohl sie ihr E-Book exklusiv über Amazon Kindle Direct Publishing (KDP) veröffentlicht hatte, tauchte dieses plötzlich auch bei einem anderen Online-Buchhändler auf — einem Shop, der zum Vertriebsnetz von Libri gehört.
Aus Interesse und aus der Perspektive eines Magazins, das regelmäßig über Selfpublishing berichtet und Autoren über wirtschaftliche und rechtliche Themen aufklärt, kommentierte ich unter ihrem Post und fragte sie, ob sie bereit wäre, mit mir über diesen Fall zu sprechen. Wir kamen ins Gespräch und sie schilderte mir detailliert, was geschehen war.
Der Fall war alarmierend: Summer Collins hatte Amazon Exklusivrechte an ihrem E-Book eingeräumt, was bedeutet, dass der Verkauf nur dort stattfinden darf. Eine Listung über Drittplattformen ohne ihre Zustimmung könnte nicht nur finanzielle Verluste bedeuten, sondern auch rechtliche Folgen — vor allem gegenüber Amazon.
Vor diesem Hintergrund habe ich daraufhin direkt Libri kontaktiert, um eine Stellungnahme einzuholen und mehr über die Hintergründe zu erfahren. Dieses Fallbeispiel Unsterblich Ich zeigt exemplarisch, warum Selfpublisher rechtlich wachsam bleiben sollten und regelmäßig ihre E-Book Kontrolle durchführen müssen.

Konkreter Fall: „Unsterblich Ich“ bei Libri gelistet – Selfpublishing Recht
Das Buch „Unsterblich Ich“ wurde von Summer Collins exklusiv über Amazon KDP veröffentlicht — zu einem Preis von 2,99 €. Diese Exklusivbindung bedeutet vertraglich, dass das E-Book nur über Amazon verkauft werden darf und dass Dritte keine Rechte haben, es anzubieten oder zu vertreiben.
Trotzdem tauchte genau dieses Buch plötzlich in einem Online-Shop auf, der als Libri-Partner agiert. Dort wurde es nicht nur mit vollständiger Leseprobe gelistet, sondern zu einem höheren Preis von 3,99 € angeboten — ein deutlicher E-Book Listung Fehler, der für Amazon KDP Exklusivrechte sehr problematisch ist.
Besonders pikant: Eine Leserin, die den Titel dort bestellen wollte, konnte den Kaufprozess problemlos abschließen. Nach erfolgreicher Bezahlung war jedoch kein Download möglich — ein weiteres Indiz, dass hier etwas nicht korrekt gelaufen ist.
Für die betroffene Autorin ergibt sich daraus ein doppeltes Risiko: Zum einen entsteht der Eindruck, dass sie selbst gegen ihre Exklusivrechte verstoßen hat, was das Verhältnis zu Amazon gefährden kann. Zum anderen kann dies zu einem Imageschaden gegenüber Lesern führen, wenn diese für ein nicht funktionierendes Angebot bezahlen.
Systematische Problematik außerhalb dieses Falls?
Selfpublishing Recht: Der Fall von „Unsterblich Ich“ ist kein Einzelfall — auch wenn die meisten Selfpublisher möglicherweise nie erfahren, dass ihre Werke ohne ihre Zustimmung irgendwo gelistet sind. Tatsächlich gibt es bereits mehrere bekannte Beispiele, die belegen, dass unautorisierte E-Book Listungen eine ernstzunehmende Problematik darstellen.
Ein prominentes Beispiel ist die Plattform Scribd, die in der Vergangenheit mehrfach in den Fokus geriet, weil Autoren dort eigene Werke fanden, die sie niemals selbst hochgeladen hatten. In vielen Fällen waren Werke dort als Teil von Abonnements verfügbar, ohne dass die Autoren einen Vertrag mit Scribd abgeschlossen oder überhaupt Kenntnis davon hatten.
Ähnlich kontrovers war der Fall LendInk: Hier wurden Kindle- und Nook-Bücher unter dem Deckmantel eines „Tauschsystems“ gelistet. Auch hier wussten viele Selfpublisher gar nicht, dass ihre Bücher dort zu finden waren. Das führte zu einer Welle von Beschwerden und am Ende dazu, dass die Plattform offline ging.
Foren wie die KDP-Community berichten regelmäßig über ähnliche Fälle: Selfpublisher stoßen darauf, dass ihre Bücher plötzlich auf unbekannten internationalen Plattformen auftauchen — oft mit falschen Preisen und ohne jede Autorisierung.
Das Problem ist strukturell: Plattformen wie Scribd, LendInk oder Libri verstehen sich oft als Distributoren. Sie übernehmen Inhalte von Aggregatoren oder Dritten — doch eine sorgfältige Prüfung, ob ein Autor wirklich zugestimmt hat, erfolgt dabei oft nicht.
Warum passiert das? Mechanismen & Ursachen
Wie gelangen Titel wie „Unsterblich Ich“ überhaupt in ein System wie Libri? Diese Frage ist zentral — und die Antwort liegt meist in der Struktur moderner Distributionssysteme. Viele Buchhandelsplattformen arbeiten mit sogenannten Aggregatoren zusammen: Dienstleister, die große Mengen an Inhalten bündeln und an Barsortimente wie Libri weiterreichen. In diesem Prozess werden häufig ganze Kataloge übernommen — oft automatisiert.
Es genügt bereits, dass irgendwo ein falscher Eintrag in einem solchen Aggregator-System existiert: zum Beispiel, wenn jemand irrtümlich einen Titel einpflegt oder fremde Inhalte missbräuchlich hochlädt. Im Zweifel landet dieser Titel dann über automatische Schnittstellen in den Systemen der großen Buchlogistiker und wird ohne explizite Prüfung auf Vertrags- oder Urheberrechte von Partner-Shops angeboten.
Eine weitere Ursache liegt in technischen Schwächen der Workflows: Die Verantwortung für die korrekte Rechteklärung wird oft auf den ursprünglichen Aggregator abgewälzt — Plattformen wie Libri sehen sich selbst nur als Verteiler. Genau darin liegt eine gefährliche Grauzone: Autoren haben in diesen Prozessen faktisch kaum Kontrolle darüber, ob ihre Werke korrekt gehandhabt werden.
Gerade deshalb sind Selfpublisher Schutzmaßnahmen und regelmäßige E-Book Rechteprüfungen entscheidend, um eigene Exklusivrechte aktiv zu wahren.

Stellungnahme von Libri – Selfpublishing Recht
Wir haben Libri im Rahmen unserer Recherche kontaktiert und um eine offizielle Stellungnahme zu den hier geschilderten Vorwürfen gebeten. Konkret wollten wir wissen, wie Titel wie „Unsterblich Ich“, die ausschließlich über Amazon KDP veröffentlicht wurden und vertraglich exklusiv dort gelistet sein dürfen, dennoch in Libri-Partner-Shops auftauchen konnten.
Wir haben Libri Gelegenheit gegeben, bis zum 30. Juli 2025 zu antworten, damit ihre Sichtweise noch in diesen Artikel einfließen kann.
👉 Sobald eine Stellungnahme vorliegt, werden wir diese an dieser Stelle vollständig veröffentlichen und ungekürzt zur Verfügung stellen — ganz im Sinne journalistischer Selfpublishing Transparenz und fairer Berichterstattung.
Rechtlicher Rahmen: Wer haftet? – Selfpublishing Recht
Selfpublishing Recht: Juristisch stellt sich für betroffene Selfpublisher die Frage: Wer trägt die Verantwortung, wenn ihre Werke ohne Genehmigung auf Plattformen wie Libri gelistet sind?
Die Rechtslage ist oft nicht eindeutig. Plattformen wie Libri betrachten sich in solchen Fällen als reine Distributoren — sie vertreiben, was Aggregatoren zuliefern, und wälzen die Prüfungspflicht auf diese vorangeschalteten Anbieter ab. Für Autoren bedeutet das: Die Plattform sieht sich selbst meist nicht in der Pflicht, proaktiv Rechte zu klären.
Gleichzeitig tragen Autoren, die Amazon KDP nutzen, gegenüber Amazon die volle Verantwortung dafür, dass ihre Werke exklusiv bleiben. Amazon erwartet, dass Autoren sicherstellen, dass ihre Inhalte nirgendwo anders verkauft werden. Sollte Amazon feststellen, dass ein Titel außerhalb von Amazon erhältlich ist, kann dies zur sofortigen Kündigung des KDP-Select-Vertrags führen — oft ohne Chance auf Wiedergutmachung.
Es liegt also an den Autoren, ihren Selfpublishing Rechtsschutz aktiv zu betreiben und sicherzustellen, dass keine unbeabsichtigte Vertragsverletzung entsteht.
Selbstschutz: Was Selfpublisher unbedingt tun sollten
Selfpublishing Recht: Aus diesen Erfahrungen ergibt sich eine klare Empfehlung: Selfpublisher müssen selbst aktiv werden, um ihre Rechte zu schützen. Die folgenden Maßnahmen sind nicht nur sinnvoll, sondern dringend geboten, um Risiken zu minimieren:
✅ Regelmäßige Suchproben:
Mindestens einmal pro Monat sollte jeder Selfpublisher eine einfache Google-Suche mit seinem Buchtitel und dem Stichwort „Download“ oder „E-Book“ durchführen. So lassen sich unautorisierte Listungen schnell identifizieren.
✅ Preis- und Listungsüberwachung:
Tools wie Google Alerts können helfen, Änderungen bei Preisangaben oder neuen Listings sofort mitzubekommen. Es lohnt sich, den eigenen Namen und den Buchtitel dort als Überwachungskriterien einzutragen.
✅ Kontakt zu Aggregatoren und Plattformen:
Autoren sollten prüfen, ob ihre Titel möglicherweise über Distributoren in Systeme wie das von Libri gelangen könnten — und gegebenenfalls dort schriftlich klarstellen, dass sie keinen Vertrieb wünschen.
✅ Dokumentation:
Alle Fälle von unautorisierten Listungen sollten sorgfältig dokumentiert werden — inklusive Screenshots, Datum und Plattformname. Diese Dokumentation kann helfen, Missverständnisse gegenüber Amazon KDP zu vermeiden.
✅ Community nutzen:
Selfpublishing-Foren und Gruppen sind oft eine wertvolle Quelle: Hier tauschen Autoren ihre Erfahrungen aus und warnen sich gegenseitig vor Plattformen, bei denen solche Probleme häufiger auftreten.
✅ Juristischen Rat einholen:
Bei wiederholten Problemen empfiehlt sich der Kontakt zu einem Fachanwalt für Urheberrecht, um den Fall gegebenenfalls professionell prüfen zu lassen.
Mit dieser Selfpublishing Checkliste für E-Book Monitoring und Rechteüberwachung können Autoren sich besser gegen unautorisierte Listungen schützen — und vermeiden, dass ihre KDP Exklusivrechte gefährdet werden.

Fazit & Ausblick – Selfpublishing Recht
Der Fall um „Unsterblich Ich“ ist ein warnendes Beispiel, wie schnell und unbemerkt Exklusivrechte unterlaufen werden können — und das sogar auf Plattformen, die von vielen Lesern als seriös wahrgenommen werden.
Selfpublisher stehen hier in einer doppelten Verantwortung: Sie müssen nicht nur kreative Arbeit leisten, sondern auch ihre E-Book Rechte aktiv schützen und überwachen. Denn Amazon KDP legt die Beweislast in solchen Fällen klar beim Autor: Wer einen Exklusivvertrag hat, muss sicherstellen, dass seine Inhalte auch wirklich exklusiv bleiben.
Mit diesem Artikel möchten wir Leserinnen und Leser sensibilisieren und aufklären — ganz im Geist digitaler Transparenz. Wir werden die Antwort von Libri veröffentlichen, sobald sie uns vorliegt, und bleiben an dem Thema dran. Selfpublisher sollten dies zum Anlass nehmen, sich regelmäßig selbst abzusichern — und mit wachem Auge zu prüfen, wo ihre Werke auftauchen.
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